Nadelfasziotomie bei Morbus Dupuytren: Behandlung ohne große OP

IN WIEN

Die perkutane Nadelfasziotomie durchtrennt die Dupuytren-Stränge mit einer feinen Nadel durch die Haut, ohne offene Operation. Dr. Gärner erklärt, für wen die Methode geeignet ist, wie sie abläuft und wo ihre Grenzen gegenüber der Fasziektomie liegen.

Inhaltsverzeichnis

Die Nadelfasziotomie ist eine besonders schonende Möglichkeit, einen durch Morbus Dupuytren gekrümmten Finger wieder besser zu strecken. Statt die verhärteten Stränge in der Hohlhand über einen Schnitt freizulegen und zu entfernen, durchtrenne ich sie mit einer feinen Nadel durch die Haut hindurch. Der Eingriff findet in örtlicher Betäubung statt, dauert in der Regel nur etwa 15 bis 30 Minuten und Sie können die Hand meist noch am selben Tag vorsichtig bewegen.

Die Methode hat klare Vorteile, aber auch eine wichtige Einschränkung: Die Erkrankung kommt nach einer Nadelbehandlung häufiger und früher zurück als nach einer offenen Operation.

Wie funktioniert die perkutane Nadelfasziotomie?

Bei der Dupuytren-Kontraktur bilden sich in der Bindegewebsplatte der Hohlhand Knoten und Stränge, die sich mit der Zeit verkürzen und einen oder mehrere Finger in Beugestellung ziehen. Diese Stränge liegen häufig direkt unter der Haut. Genau das macht sich die Nadelfasziotomie zunutze.

Ich steche mit einer sehr feinen Nadel an mehreren Stellen durch die Haut in den Strang und schwäche ihn durch kleine Bewegungen, bis er an dieser Stelle nachgibt. Anschließend strecke ich den Finger vorsichtig. Der geschwächte Strang wird dabei weiter aufgedehnt beziehungsweise durchtrennt, und der Finger lässt sich meist deutlich weiter strecken. Je nach Ausdehnung der Erkrankung behandle ich den Strang an mehreren Stellen, zum Beispiel in der Hohlhand oder im Bereich des Fingergrundgelenks.

Das erkrankte Gewebe wird dabei nicht entfernt, sondern nur durchtrennt. Darin liegt der Unterschied zur offenen Operation, bei der die betroffenen Anteile der Bindegewebsplatte entfernt werden. Die Position der Einstiche lege ich vorher fest, indem ich den Strang abtaste und die Verläufe von Nerven, Gefäßen und Sehnen berücksichtige.

Während des Eingriffs bitte ich Sie regelmäßig, die Finger zu bewegen, und achte auf mögliche Missempfindungen. Das hilft mir, die Lage der Nadel zu kontrollieren und die nahe gelegenen Strukturen zu schonen. Diese Rückmeldung ist ein wichtiger Sicherheitsfaktor und einer der Gründe, warum die Behandlung häufig in örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Eine Verletzung von Nerven oder Sehnen lässt sich dadurch jedoch nicht vollständig ausschließen.

Für wen ist die Nadelfasziotomie geeignet?

Am besten geeignet ist die Methode bei einem klar tastbaren, gut abgegrenzten Strang in der Hohlhand, der den Finger im Grundgelenk beugt. Hier lässt sich der Strang meist gut erreichen, und häufig gelingt eine deutliche Verbesserung der Streckung. Bei günstigen Ausgangsbefunden kann der Finger anschließend nahezu vollständig gestreckt werden.

Auch bei älteren Patientinnen und Patienten, bei denen eine längere Operation oder eine Narkose vermieden werden soll, kann die Nadelbehandlung eine gute Wahl sein. Sinnvoll ist sie außerdem, wenn eine rasche Rückkehr in den Alltag wichtig ist, zum Beispiel bei Berufstätigen, die sich keine wochenlange Schonung leisten können, oder wenn eine offene Operation aus gesundheitlichen Gründen weniger geeignet ist. Viele Betroffene entscheiden sich zunächst für die Nadelmethode, weil sie wenig belastend ist, und behalten die größere Operation als spätere Option.

Weniger geeignet ist das Verfahren bei weit fortgeschrittener Erkrankung, mehreren komplex verlaufenden Strängen oder einer ausgeprägten Beugestellung im Fingermittelgelenk. Dort können Nerven und Gefäße besonders nahe am Strang liegen. Außerdem lässt sich eine länger bestehende Gelenkversteifung durch das Durchtrennen des Strangs allein möglicherweise nicht vollständig lösen. Eine Beteiligung des Mittelgelenks schließt die Nadelfasziotomie allerdings nicht grundsätzlich aus. Entscheidend sind die genaue Lage des Strangs, die Gelenkbeweglichkeit und das individuelle Verletzungsrisiko. Auch bei einem Rückfall nach einer früheren Operation, bei dem die Anatomie durch Narben verändert ist, prüfe ich besonders sorgfältig, ob die Nadelmethode sicher möglich ist oder eine offene Operation sinnvoller wäre.

Wie läuft die Behandlung ab?

Die Nadelfasziotomie findet ambulant in meiner Ordination statt. Nach der Desinfektion betäube ich die Haut über dem Strang mit einer kleinen Menge Lokalanästhetikum. Dabei achte ich darauf, die für die Behandlung wichtigen Rückmeldungen möglichst zu erhalten. Die gewählte Betäubung und die notwendigen Sicherheitskontrollen passe ich an den Befund an.

Dann folgt die eigentliche Behandlung mit der Nadel, wie oben beschrieben. Nach dem vorsichtigen Strecken des Fingers lege ich einen kleinen Pflasterverband an. Nähte sind meist nicht notwendig, weil lediglich kleine Einstichstellen entstehen.

Der gesamte Termin dauert etwa 30 bis 45 Minuten. Sie können danach in der Regel selbstständig nach Hause gehen. Ob Sie am selben Tag wieder Auto fahren dürfen, hängt unter anderem von der Beweglichkeit und Belastbarkeit Ihrer Hand sowie von der verwendeten Betäubung ab. Ich empfehle Ihnen, vorsorglich eine Abholung zu organisieren.

Vor dem Eingriff besprechen wir Ihre Medikamente. Blutverdünnende Mittel müssen bei einer Nadelfasziotomie nicht in jedem Fall abgesetzt werden. Das hängt vom Präparat, Ihrem Blutungsrisiko und den Erkrankungen ab, wegen derer Sie das Medikament einnehmen.

Bitte setzen Sie blutverdünnende Medikamente niemals eigenständig ab. Ob eine Anpassung notwendig ist, kläre ich gegebenenfalls mit Ihrem behandelnden Arzt.

Was passiert nach der Nadelfasziotomie?

Der größte Vorteil der Nadelmethode zeigt sich direkt nach dem Eingriff: Sie können die Hand in der Regel sofort vorsichtig bewegen und innerhalb weniger Tage wieder für leichte Tätigkeiten einsetzen. Die kleinen Einstichstellen heilen meist innerhalb weniger Tage ab. Gelegentlich reißt beim Strecken die Haut an einer Stelle leicht ein, wenn der Strang sehr fest mit ihr verwachsen war. Kleinere Hautrisse heilen häufig mit geeigneter Wundversorgung von selbst ab, ohne genäht werden zu müssen. Größere Wunden können eine intensivere Nachbehandlung erfordern.

In den ersten Tagen kann die Hand leicht geschwollen und druckempfindlich sein. Kühlen und Hochlagern können helfen. Schmerzen sind häufig gering bis mäßig und lassen sich meist mit geeigneten schmerzlindernden Medikamenten behandeln. Schwere körperliche Arbeit und kräftiges Zupacken sollten Sie etwa ein bis zwei Wochen vermeiden. Wie schnell Sie die Hand wieder voll belasten dürfen, hängt davon ab, wie viele Stränge behandelt wurden und ob Hautverletzungen entstanden sind.

Ich empfehle Ihnen, den Finger nach dem Eingriff regelmäßig aktiv zu strecken und zu beugen, damit Sie die gewonnene Beweglichkeit nutzen und erhalten. Bei Bedarf kann eine handtherapeutische Anleitung sinnvoll sein. In manchen Fällen ist eine Nachtlagerungsschiene für einige Wochen sinnvoll. Sie ist jedoch nicht nach jeder Nadelfasziotomie notwendig. Ob sie bei Ihnen einen Vorteil bietet, entscheide ich anhand des Befundes und des Heilungsverlaufs.

Wie lange bin ich krankgeschrieben?

Nach einer Nadelfasziotomie ist der Krankenstand häufig deutlich kürzer als nach einer offenen Operation. Bei Bürotätigkeit können Sie in vielen Fällen nach wenigen Tagen wieder arbeiten, manche Patientinnen und Patienten bereits am nächsten Tag. Bei handwerklichen Berufen oder schwerer körperlicher Arbeit rechne ich in der Regel mit etwa ein bis zwei Wochen, bis die Hand wieder stärker belastet werden kann. Wenn mehrere Finger behandelt wurden oder eine größere Hautwunde entstanden ist, kann die Erholung länger dauern.

Diese Angaben sind Richtwerte. Entscheidend ist, wie schnell die Schwellung zurückgeht, wie die Wunden heilen und wie belastbar Ihre Hand tatsächlich ist. Die Dauer der Krankschreibung lege ich gemeinsam mit Ihnen fest.

Wie oft kommt die Erkrankung nach der Nadelbehandlung zurück?

Das ist der wichtigste Punkt, den Sie bei der Entscheidung kennen sollten. Da das erkrankte Gewebe bei der Nadelfasziotomie nicht entfernt, sondern nur durchtrennt wird, kann sich erneut eine Beugestellung entwickeln.

Erfahrungsgemäß kommt es nach einer Nadelbehandlung deutlich häufiger und früher zu einem Rückfall als nach einer offenen Fasziektomie. Viele Betroffene bemerken innerhalb von etwa drei bis fünf Jahren erneut eine zunehmende Beugung des Fingers. In einer vergleichenden Langzeitstudie zeigte sich innerhalb von fünf Jahren bei einem großen Teil der mit Nadelfasziotomie behandelten Hände erneut eine relevante Kontraktur. Die konkrete Rückfallwahrscheinlichkeit hängt jedoch stark von der verwendeten Definition, dem betroffenen Gelenk, dem Alter und dem individuellen Krankheitsverlauf ab.

Das bedeutet nicht, dass die Methode schlecht ist. Die Nadelfasziotomie lässt sich bei geeigneten Befunden wiederholen, manchmal auch mehrfach. Für viele Patientinnen und Patienten ist das ein guter Kompromiss zwischen geringer Belastung und einer raschen Verbesserung der Fingerstreckung. Wer jedoch eine möglichst langanhaltende Korrektur wünscht oder jünger ist und einen ausgeprägten beziehungsweise rasch fortschreitenden Verlauf hat, kann mit einer offenen Operation langfristig besser beraten sein. Auch nach einer Fasziektomie sind Rückfälle allerdings möglich. Das bespreche ich mit Ihnen offen.

Nadelfasziotomie, Kollagenase oder offene Operation: Welche Methode ist die richtige?

Neben der Nadelfasziotomie gibt es die Behandlung mit dem Enzym Kollagenase, das den Dupuytren-Strang enzymatisch schwächt. Das früher in der Europäischen Union zugelassene Präparat Xiapex ist dort allerdings seit März 2020 nicht mehr regulär verfügbar, nachdem die Zulassung auf Wunsch des Herstellers aus kommerziellen Gründen zurückgezogen wurde. Die Methode gehört deshalb in Österreich derzeit nicht zu den regulär angebotenen Behandlungsoptionen.

Die offene Operation, die sogenannte begrenzte Fasziektomie, entfernt die erkrankten Anteile der Bindegewebsplatte. Sie findet meist in Regionalanästhesie oder Vollnarkose statt, hinterlässt eine Narbe in der Hohlhand und erfordert eine Heilungsphase von mehreren Wochen, häufig mit Handtherapie.

Dafür ist die Rückfallrate im Langzeitvergleich niedriger. Auch fortgeschrittene Befunde mit Beteiligung des Mittelgelenks lassen sich operativ häufig besser behandeln. Eine vollständige Streckung ist jedoch besonders bei lange bestehenden Gelenkversteifungen nicht immer erreichbar.

Welche Dupuytren-Behandlung für Sie die richtige ist, hängt vom Stadium der Erkrankung, davon, wie schnell sich die Veränderungen in den letzten Monaten entwickelt haben, von Ihrem Alter, Ihrem Beruf und Ihren Wünschen ab. Ich sehe die Nadelfasziotomie als wertvolle Option bei geeigneten, gut erreichbaren Strängen und für Menschen, die eine schnelle, wenig belastende Behandlung suchen. Als plastischer Chirurg mit Schwerpunkt Handchirurgie behandle ich auch weitere Erkrankungen der Hand. Informationen dazu finden Sie unter Handchirurgie.

Was kostet eine Nadelfasziotomie?

Die Kosten hängen davon ab, wie viele Stränge und Finger behandelt werden und wie aufwendig der Eingriff ist. Da ich als Wahlarzt tätig bin, erhalten Sie von mir eine Honorarnote. Ob und in welcher Höhe Ihre Krankenkasse einen Teil der Kosten erstattet, hängt von der medizinischen Notwendigkeit, der Abrechenbarkeit der Leistung und den Bestimmungen Ihres Versicherungsträgers ab.

Morbus Dupuytren ist eine Erkrankung und keine rein ästhetische Behandlung. Eine teilweise Kostenerstattung durch ÖGK, SVS oder BVAEB kann deshalb möglich sein, ist aber nicht automatisch garantiert.

Bei der ÖGK werden erstattungsfähige wahlärztliche Leistungen grundsätzlich mit 80 Prozent jenes Betrags vergütet, den die Kasse für eine entsprechende Leistung bei einem Vertragspartner aufgewendet hätte. Das sind nicht 80 Prozent meiner Honorarnote. Für operative Leistungen können besondere Voraussetzungen oder Regelungen gelten.

Ich empfehle Ihnen, eine mögliche Kostenerstattung beziehungsweise erforderliche Bewilligung vor dem Eingriff mit Ihrer Krankenkasse zu klären. Im Beratungsgespräch erhalten Sie einen individuellen Kostenplan.

Wenn Sie unter einem gekrümmten Finger leiden und wissen möchten, ob die Nadelfasziotomie in Ihrem Fall sinnvoll ist, lade ich Sie zu einem Beratungsgespräch in meine Ordination in Wien ein. Ich untersuche Ihre Hand, erkläre Ihnen ehrlich die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden und wir entscheiden gemeinsam, welcher Weg für Sie der richtige ist.

Ich freue mich darauf, Sie bald für ein persönliches Gespräch in meiner Ordination begrüßen zu dürfen!

Geprüft durch den Autor

DR. STEFAN GÄRNER

FACHARZT FÜR PLASTISCHE, ÄSTHETISCHE UND REKONSTRUKTIVE CHIRURGIE IN WIEN

In den letzten 15 Jahren habe ich mich auf die ästhetische und rekonstruktive Gesichts- und Brustchirurgie spezialisiert. Das fängt bei Facelift und Filler an, geht über Brustvergrößerung und -straffung und bis hin zu Formveränderungen sowie Wiederherstellung der Brust. Um in diesen Bereichen immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, besuche regelmäßig nationale und internationale Kongresse – so kann ich Sie bestmöglich beraten.

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FAQ

Wie lange ist man nach einer Nadelfasziotomie krank?
Bei Bürotätigkeit meist nur wenige Tage, bei körperlicher Arbeit etwa ein bis zwei Wochen. Die Hand kann in der Regel sofort vorsichtig bewegt werden. Wie schnell sie wieder voll belastbar ist, hängt vom Befund und der Wundheilung ab.
Wie hoch sind die Kosten für eine Nadelfasziotomie?
Das hängt von der Anzahl der behandelten Stränge und dem Aufwand ab. Als Wahlarzt stelle ich eine Honorarnote aus. Ob die Krankenkasse einen Teil der Kosten erstattet, sollten Sie vor dem Eingriff klären. Den individuellen Kostenplan erhalten Sie im Beratungsgespräch.
Welche Nebenwirkungen können nach einer Nadelfasziotomie auftreten?
Möglich sind Schwellungen, Blutergüsse, kleine Hautrisse und vorübergehende Gefühlsstörungen. Selten können auch Nerven, Gefäße oder Beugesehnen verletzt werden. Durch sorgfältige Auswahl der Einstichstellen und Kontrollen während des Eingriffs lässt sich das Risiko verringern, aber nicht vollständig ausschließen.
Können krumme Finger wieder gerade werden?
Ja, bei einer Beugung im Grundgelenk lässt sich die Streckung durch die Nadelfasziotomie häufig deutlich verbessern, manchmal bis zur vollständigen Streckung. Bei Beteiligung des Mittelgelenks kann eine Restbeugung bleiben. Hier ist je nach Befund eine offene Operation sinnvoller.
Kann die Nadelfasziotomie wiederholt werden?
Ja, bei einem Rückfall kann der Eingriff in vielen Fällen erneut durchgeführt werden. Ob eine Wiederholung sicher und sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Verlauf der Stränge und von früheren Behandlungen ab. Alternativ ist häufig eine offene Operation möglich.
Ist die Behandlung mit Kollagenase in Österreich möglich?
Das früher in der EU zugelassene Kollagenasepräparat Xiapex ist seit März 2020 nicht mehr regulär verfügbar. Die Nadelfasziotomie und die offene Fasziektomie gehören deshalb zu den wesentlichen verfügbaren Behandlungsalternativen.

DR. STEFAN GÄRNER

IHR FACHARZT FÜR PLASTISCHE, ÄSTHETISCHE UND REKONSTRUKTIVE CHIRURGIE IN WIEN

Ich freue mich darauf, Sie in meiner neuen Ordination begrüßen zu dürfen!

AUF EINEN BLICK

KURZINFO

Endergebnis: Hand meist sofort vorsichtig beweglich
Ausfallzeit: bei leichter Tätigkeit häufig wenige Tage
Kosten: individueller Kostenplan, mögliche Kassenerstattung vorab klären
Dauer: ca. 15–30 Minuten, ambulant in örtlicher Betäubung
Nachbehandlung: 1–2 Wochen kein kräftiges Zupacken, ggf. Nachtschiene