Ob und wann man einem Kind die Ohren anlegen lassen sollte und ob die Krankenkasse in Österreich dafür aufkommt, sind die beiden Fragen, die mir Eltern im Beratungsgespräch am häufigsten stellen. Der Eingriff ist meist ab etwa fünf bis sechs Jahren möglich, häufig noch vor der Einschulung. Ob die Krankenkasse die Kosten übernimmt, hängt dagegen von der medizinischen Indikation und der individuellen Prüfung durch den Versicherungsträger ab.
Ab welchem Alter kann man Kindern die Ohren anlegen lassen?
Die Ohrmuschel hat mit etwa fünf bis sechs Jahren bereits einen Großteil ihrer endgültigen Größe erreicht, und der Ohrknorpel lässt sich in diesem Alter in der Regel gut operativ formen. Deshalb führe ich eine Ohranlegeplastik bei Kindern üblicherweise ab diesem Alter durch. Ein zweiter Grund für diesen Zeitpunkt ist die Einschulung. Manche Eltern möchten vermeiden, dass ihr Kind wegen abstehender Ohren gehänselt wird.
Es gibt aber keine Pflicht, früh zu operieren. Manche Kinder stören sich überhaupt nicht an ihren Ohren, und dann besteht auch kein Grund für einen Eingriff. Mir ist wichtig, dass das Kind selbst den Wunsch äußert oder zumindest altersgerecht versteht und mitträgt, was wir tun. Eine Ohrenkorrektur ist zu jedem späteren Zeitpunkt möglich, auch als Jugendlicher oder Erwachsener.
Bei Säuglingen in den ersten Lebenswochen kann der noch weiche Knorpel mit einer Schienung ohne Operation geformt werden. Die Erfolgsaussichten sind besonders gut, wenn die Behandlung möglichst früh beginnt. Je älter das Baby wird, desto weniger formbar ist der Knorpel. Nach den ersten Lebensmonaten ist eine solche Schienung in der Regel deutlich weniger erfolgversprechend.
Wie läuft die Ohrenkorrektur bei Kindern ab?
Bei Erwachsenen operiere ich häufig in örtlicher Betäubung. Bei jüngeren Kindern führe ich den Eingriff in Vollnarkose durch, damit sie während der etwa eineinhalb bis zwei Stunden dauernden Operation ruhig liegen und möglichst wenig von der Behandlung mitbekommen. Die Narkose wird von einem erfahrenen Anästhesieteam betreut, das mit der Versorgung von Kindern vertraut ist. Ob ein Elternteil das Kind bis zum Einschlafen begleiten und beim Aufwachen wieder dabei sein kann, hängt auch von den Abläufen der jeweiligen Klinik ab.
Der Eingriff selbst entspricht der klassischen Ohranlegeplastik. Über einen Schnitt hinter der Ohrmuschel forme ich den Knorpel so, dass die fehlende oder schwach ausgeprägte Anthelixfalte entsteht, und fixiere das Ohr mit feinen Nähten in der neuen Position. Falls die Ohrmuschel beziehungsweise die Ohrmuschelvertiefung zu stark absteht, wird sie zusätzlich näher an den Kopf gebracht. Die Narbe liegt hinter dem Ohr und ist später meist wenig auffällig. Je nach Klinik und Heilungsverlauf geht das Kind am selben Tag nach Hause oder bleibt eine Nacht zur Beobachtung.
Wie verlaufen die ersten Tage nach der Operation?
Nach dem Eingriff bekommt Ihr Kind einen weichen Kopfverband, der die Ohren schützt und in Position hält. Dieser Verband ist für manche Kinder das Unangenehmste an der Behandlung, vor allem weil er warm ist und jucken kann. Schmerzen können in den ersten ein bis zwei Tagen auftreten, lassen sich aber meist mit altersgerecht dosierten schmerzlindernden Medikamenten gut behandeln. Danach gehen die Beschwerden häufig deutlich zurück.
Nach ein bis zwei Tagen sehe ich Ihr Kind zum Verbandswechsel in der Ordination. Nach etwa zehn Tagen wird der schützende Verband in der Regel endgültig abgenommen. Falls nicht selbstauflösende Fäden verwendet wurden, entferne ich diese bei der entsprechenden Kontrolle.
Anschließend trägt das Kind für etwa vier bis sechs Wochen ein weiches Stirnband, zunächst je nach Befund auch tagsüber und besonders nachts, damit die Ohren im Schlaf nicht umgeknickt werden. Ein weiches, elastisches Stirnband, wie es Sportler verwenden, ist dafür gut geeignet. Es sollte die Ohren schützen, ohne zu fest zu drücken.
Wann kann mein Kind wieder in die Schule oder in den Kindergarten?
Viele Kinder können etwa ein bis zwei Wochen nach der Operation wieder in den Kindergarten oder in die Schule gehen. Entscheidend sind das Wohlbefinden des Kindes, die Wundheilung und die Frage, ob der schützende Verband noch getragen wird. Ich empfehle, den Eingriff möglichst in die Ferien zu legen, damit das Kind in Ruhe heilen kann und nicht mit dem Kopfverband in die Klasse muss. Die Sommerferien vor der Einschulung können dafür ein guter Zeitpunkt sein.
Auf Turnen und Schwimmen sollte Ihr Kind je nach Heilungsverlauf etwa vier bis sechs Wochen verzichten. Bei Ballsport, Raufen und anderen Aktivitäten mit einem hohen Risiko für Schläge auf die Ohren kann eine längere Pause von etwa sechs bis acht Wochen sinnvoll sein, weil ein Stoß auf das frisch operierte Ohr die Heilung beeinträchtigen kann.
Haarewaschen ist nach der Verbandsabnahme und entsprechender Freigabe vorsichtig wieder möglich. Brillen können häufig nach etwa zwei Wochen wieder getragen werden, sofern die Bügel keinen Druck auf die Wunden ausüben. Gegebenenfalls lässt sich das mit einem weichen Stirnband erleichtern.
Welche Risiken gibt es beim Ohren anlegen bei Kindern?
Die Ohranlegeplastik ist ein etablierter Eingriff mit in der Regel guten Ergebnissen, aber keine Operation ist ganz ohne Risiken. Möglich sind Nachblutungen, Infektionen, Wundheilungsstörungen, ein vorübergehend taubes Gefühl an der Ohrmuschel und eine Schmerzempfindlichkeit, die einige Monate anhalten kann. Auch auffällige Narben oder Probleme mit den verwendeten Nähten sind möglich.
Eine Asymmetrie zwischen beiden Ohren oder ein teilweises erneutes Abstehen können ebenfalls vorkommen. In manchen Fällen ist deshalb später eine Nachkorrektur sinnvoll. Bei einer stärkeren Nachblutung kann sich ein Bluterguss unter der Haut bilden, der rasch behandelt werden muss, um Schäden am Ohrknorpel zu vermeiden.
Entscheidend ist eine sorgfältige Nachsorge. Der Verband sollte sauber und trocken bleiben, das Stirnband wie empfohlen getragen werden und die Ohren müssen vor Druck und Stößen geschützt werden. Melden Sie sich bei Fieber, zunehmenden Schmerzen, einer deutlichen Schwellung oder Nässen aus der Wunde bitte umgehend bei mir.
Das Ergebnis lässt sich nach etwa drei bis sechs Monaten meist gut beurteilen, wenn die Schwellung abgeklungen ist und sich das Gewebe weiter erholt hat.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für das Anlegen der Ohren bei Kindern?
In Österreich kann eine Ohranlegeplastik bei Kindern und Jugendlichen unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse übernommen werden. Eine automatische Kostenübernahme allein aufgrund des Alters oder der abstehenden Ohren gibt es jedoch nicht.
Entscheidend ist, ob eine medizinische Indikation vorliegt und die Voraussetzungen des zuständigen Versicherungsträgers erfüllt sind. Eine nachvollziehbar dokumentierte erhebliche psychische oder soziale Belastung kann bei der Beurteilung eine Rolle spielen. Ob eine solche Belastung ausreicht und welche Nachweise verlangt werden, muss im Einzelfall geklärt werden.
Den fachärztlichen Befund erstelle ich bei entsprechender Indikation in meiner Ordination. Ich untersuche die Ohren, dokumentiere die Form und den Abstand zum Kopf sowie gegebenenfalls die fehlende Anthelixfalte und erläutere die geplante Operation.
Hilfreich können je nach Situation zusätzlich eine Stellungnahme des Kinderarztes und vorhandene Hinweise aus Kindergarten oder Schule auf Hänseleien sein. Auch eine psychologische Stellungnahme kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein, ist aber nicht für jedes Kind automatisch erforderlich.
Diese Unterlagen reichen Sie bei Ihrer Krankenkasse ein, in Österreich meist ÖGK, SVS oder BVAEB. Die Bearbeitung kann einige Wochen dauern. Eine Bewilligung ist nicht garantiert, da die Entscheidung vom individuellen Befund und den geltenden Voraussetzungen abhängt. Deshalb sollte die Kostenübernahme jedenfalls vor der Operation geklärt werden.
Was bedeutet die Wahlarzt-Situation für Sie als Eltern?
Ich führe keine Kassenordination, sondern arbeite als Wahlarzt. Das bedeutet, dass Sie die Kosten für Beratung, Befund und Operation grundsätzlich zunächst selbst bezahlen. Ob und in welcher Höhe Ihre Krankenkasse anschließend einen Betrag erstattet, hängt von der medizinischen Notwendigkeit, den geltenden Tarifen und den jeweiligen Voraussetzungen ab.
Bei der ÖGK werden erstattungsfähige wahlärztliche Leistungen grundsätzlich mit 80 Prozent des entsprechenden Kassentarifs vergütet, nicht mit 80 Prozent meiner Honorarnote. Für Operationen, Leistungen in Privatkliniken und bewilligungspflichtige Eingriffe können besondere Bestimmungen gelten. Eine Bewilligung bedeutet daher nicht automatisch, dass die vollständigen privaten Operationskosten erstattet werden.
Eine vollständige Übernahme kann bei anerkannter medizinischer Notwendigkeit im Rahmen der Kassenversorgung in einer geeigneten Vertragseinrichtung möglich sein. Welcher Weg für Ihre Familie sinnvoll ist, bespreche ich offen mit Ihnen. Manche Eltern entscheiden sich bewusst für die Operation bei mir, weil ihnen die persönliche Betreuung und ein planbarer Termin in den Ferien wichtig sind.
Als Orientierung: Eine Ohranlegeplastik beginnt in meiner Ordination ab 3.200 Euro. Den individuellen Kostenplan erhalten Sie im Beratungsgespräch. Einen Überblick finden Sie unter Preise.
Gibt es eine Alternative zur Operation bei Kindern?
Eltern fragen mich oft nach sanfteren Methoden. Bei Säuglingen ist die Schienung in den ersten Lebenswochen eine echte Alternative, solange sich der weiche Ohrknorpel noch formen lässt. Später nehmen die Erfolgsaussichten deutlich ab.
Für Kinder ab dem Vorschulalter gibt es auch weniger invasive Verfahren wie die sogenannte Fadenmethode, bei der der Knorpel über kleine Zugänge mit Nähten geformt wird. Sie eignet sich nur für bestimmte Ohrformen und ist nicht mit einer vollständig schnitt- oder operationsfreien Behandlung gleichzusetzen. Je nach Technik und Ausgangsbefund können die Ergebnisse weniger gut vorhersehbar sein und erneute Korrekturen notwendig werden.
Was diese Methode leisten kann und was nicht, erkläre ich auf der Seite Ohren anlegen ohne OP. Pflaster oder Kleber aus der Drogerie bringen bei älteren Kindern keinen dauerhaften Erfolg, da der Ohrknorpel seine Form nach dem Entfernen in der Regel wieder annimmt.
Wenn Ihr Kind unter abstehenden Ohren leidet und Sie wissen möchten, ob eine Ohrenkorrektur jetzt sinnvoll ist und ob die Krankenkasse die Kosten übernehmen könnte, lade ich Sie und Ihr Kind herzlich zu einem Beratungsgespräch in meine Ordination in Wien ein. Ich erkläre den Ablauf kindgerecht und erstelle bei entsprechender Indikation den fachärztlichen Befund für den Antrag.