Ohren anlegen ohne OP ist ein Wunsch, den ich gut verstehe. Niemand lässt sich gerne operieren, und die Vorstellung, abstehende Ohren mit ein paar Fäden oder einem kleinen Implantat in kurzer Zeit zu korrigieren, klingt verlockend. Die ehrliche Antwort lautet: Ganz ohne Eingriff geht es nicht. Auch die Fadenmethode ist ein kleiner chirurgischer Eingriff mit Betäubung und kleinen Einstichen oder Hautschnitten. Sie kann aber weniger aufwendig sein als die klassische Ohranlegeplastik und für bestimmte Ohrformen eine gute Lösung darstellen.
Kann man abstehende Ohren wirklich ohne Operation wegmachen?
Abstehende Ohren, oft Segelohren genannt, haben meist eine von zwei Ursachen, manchmal beide. Entweder fehlt die Anthelixfalte, also die Knorpelfalte im Inneren der Ohrmuschel, die das Ohr normalerweise nach hinten biegt. Oder die Ohrmuschelvertiefung, die sogenannte Concha, ist zu groß beziehungsweise steht zu weit vom Kopf ab. Um das Ohr dauerhaft anzulegen, muss seine Form oder Position verändert werden. Das geschieht bei älteren Kindern und Erwachsenen nicht von allein und auch nicht dauerhaft mit Pflastern oder Kleber.
Bei Säuglingen ist der Knorpel in den ersten Lebenswochen noch so weich, dass eine Schienung ohne Operation funktionieren kann. Danach nimmt seine Formbarkeit zunehmend ab, und eine dauerhafte Korrektur erfordert in der Regel einen Eingriff. Produkte zum Ankleben der Ohren aus der Drogerie halten das Ohr nur so lange am Kopf, wie das Pflaster klebt. Sie können kurzfristig helfen, verändern den Knorpel aber nicht dauerhaft.
Was als Ohren anlegen ohne OP beworben wird, meint bei älteren Kindern und Erwachsenen in der Regel minimalinvasive Verfahren wie die Fadenmethode oder bestimmte Implantattechniken, die ich Ihnen im Folgenden erkläre.
Wie funktioniert die Fadenmethode?
Bei der Fadenmethode wird die fehlende oder schwach ausgeprägte Anthelixfalte mit nicht auflösbaren Fäden geformt. Über winzige Einstiche oder einen sehr kleinen Hautschnitt an der Rückseite des Ohres werden mehrere Fäden durch den Knorpel geführt und so geknüpft, dass sich der Knorpel nach hinten biegt und die neue Falte entsteht. Bei einer reinen Fadentechnik wird der Knorpel nicht entfernt oder gezielt ausgedünnt. Das Ohr wird durch die Nähte in seiner neuen Position gehalten.
Der Eingriff kann je nach Technik und Ausgangsbefund etwa 30 bis 45 Minuten für beide Ohren dauern und bei geeigneten Patientinnen und Patienten in örtlicher Betäubung erfolgen. Ein großer Kopfverband ist bei manchen Verfahren nicht erforderlich, ein Stirnband kann für etwa zwei bis drei Wochen empfohlen werden. Schwellungen und Schmerzen können geringer ausfallen als nach einer umfangreicheren klassischen Operation, und viele Patienten sind nach wenigen Tagen wieder im Alltag. Die Narben sind meist sehr klein und liegen unauffällig hinter dem Ohr.
Die genaue Dauer, die Nachsorge und die Ausfallzeit hängen allerdings von der verwendeten Fadentechnik ab.
Was sind Implantate wie Earfold?
Eine weitere minimalinvasive Möglichkeit waren kleine, gebogene Implantate aus einer Metalllegierung, die über einen kleinen Schnitt unter die Haut an der Vorderseite des Ohres eingesetzt wurden und den Knorpel in die Form der Anthelixfalte brachten. Das bekannteste Verfahren dieser Art war Earfold.
Der Vorteil bestand darin, dass sich die voraussichtliche Veränderung vor dem Eingriff mit einer speziellen Schablone am Ohr simulieren ließ. So konnte der Patient die mögliche neue Position selbst beurteilen.
Die Grenzen ähnelten denen anderer Verfahren, die vor allem die Anthelixfalte formen. Eine zu große Ohrmuschelvertiefung ließ sich damit nicht ausreichend korrigieren. Zusätzlich bestand das Risiko, dass das Implantat durch die dünne Haut der Ohrvorderseite sichtbar oder tastbar wurde, Beschwerden verursachte oder entfernt werden musste.
Wichtig ist, dass die Produktion der Earfold-Implantate inzwischen eingestellt wurde. Das Verfahren ist deshalb keine regulär verfügbare Behandlungsoption mehr. Ich erwähne es hier, weil weiterhin Informationen darüber im Internet zu finden sind und mich Patienten danach fragen.
Im Beratungsgespräch bespreche ich mit Ihnen, welche heute verfügbaren Verfahren für Ihre Ohrform infrage kommen.
Für wen ist die Fadenmethode geeignet?
Die Fadenmethode kann sinnvoll sein, wenn das Abstehen vor allem auf eine fehlende oder schwach ausgeprägte Anthelixfalte zurückgeht und der Ohrknorpel ausreichend formbar ist, um sich durch Nähte in die gewünschte Position bringen zu lassen.
Das kann beispielsweise bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit eher weichem Knorpel der Fall sein. Entscheidend ist jedoch nicht allein das Alter, sondern die tatsächliche Knorpelbeschaffenheit und die Form des Ohres.
Bei geeigneter Ausgangssituation lässt sich mit einer Fadentechnik ein natürlich wirkendes Ergebnis erzielen. Ob eine reine Fadenmethode dafür ausreicht oder eine zusätzliche Knorpelmodellierung sinnvoller ist, beurteile ich bei der Untersuchung.
Für wen ist die Fadenmethode nicht geeignet?
Weniger geeignet ist eine reine Fadenmethode, wenn die Ohrmuschelvertiefung zu groß ist oder das Ohr dadurch deutlich vom Kopf absteht. Hier muss die Concha gegebenenfalls näher am Kopf fixiert oder zusätzlich geformt werden. Das lässt sich mit einer reinen Anthelix-Fadentechnik nicht immer ausreichend erreichen.
Ebenfalls ungünstig kann ein dicker, fester Knorpel sein, wie er bei manchen Erwachsenen vorkommt. Die Fäden können den steifen Knorpel möglicherweise nicht ausreichend formen oder mit der Zeit an Halt verlieren. Auch bei ausgeprägten Asymmetrien und nach Voroperationen kann die klassische Technik sinnvoller sein.
Bei sehr stark abstehenden Ohren oder einem Abstand von deutlich über zwei Zentimetern zum Kopf prüfe ich besonders sorgfältig, ob die Fadenmethode ausreicht. Der Abstand allein entscheidet aber nicht über die Eignung. Wichtig sind die genaue Ursache des Abstehens und die Spannung, die auf den Nähten entstehen würde. Wer beruflich oder sportlich häufig Stöße am Kopf abbekommt, etwa beim Kampfsport oder Rugby, sollte die Belastbarkeit und das Rückfallrisiko besonders berücksichtigen.
Eine Garantie, dass niemals eine zweite Korrektur notwendig wird, kann allerdings auch die klassische Ohranlegeplastik nicht geben. Ich prüfe all diese Punkte im Beratungsgespräch, indem ich den Knorpel vorsichtig falte und seine Rückstellkraft beurteile.
Welche Nachteile hat die Fadenmethode beim Ohren anlegen?
Ein wichtiger Nachteil bestimmter Fadenmethoden ist das Risiko, dass das Ohr teilweise wieder absteht. Wenn der Knorpel ausschließlich durch Fäden in Position gehalten wird, wirkt seine natürliche Rückstellkraft weiterhin auf die Nähte. Lockert sich ein Faden, reißt er oder verliert er seinen Halt, kann sich das Ohr ganz oder teilweise wieder aufstellen.
Ein erneutes Abstehen ist sowohl nach der Fadenmethode als auch nach einer klassischen Ohranlegeplastik möglich. Studien zeigen für einzelne schnittarme Verfahren höhere Rückfall- oder Nachkorrekturraten. Wie groß das Risiko tatsächlich ist, hängt jedoch von der konkreten Technik und der Ausgangssituation ab.
Weitere mögliche Nachteile sind:
- Sichtbare oder tastbare Fadenknoten unter der dünnen Haut.
- Reizungen oder Entzündungen im Bereich der Fäden.
- Das Hervortreten von Fadenmaterial, das gegebenenfalls entfernt werden muss.
- Kanten oder Unregelmäßigkeiten in der Anthelixfalte.
- Eine unzureichende Korrektur oder ein späteres erneutes Abstehen der Ohren.
Natürlich wirkende Rundungen lassen sich bei bestimmten Ohrformen mit einer zusätzlichen Knorpelmodellierung besser erreichen. Diese Punkte spreche ich im Beratungsgespräch offen an, damit Sie mit realistischen Erwartungen entscheiden können.
Fadenmethode oder klassische Ohranlegeplastik: Was ist der Unterschied?
Bei der klassischen Ohrenkorrektur, der Otopexie, setze ich einen Schnitt hinter der Ohrmuschel und forme die Anthelixfalte mit Nähten. Je nach Befund kann ich den Knorpel zusätzlich gezielt schwächen oder modellieren. Bei Bedarf verkleinere ich die Ohrmuschelvertiefung oder fixiere sie näher am Kopf.
Dadurch lassen sich auch Ohrformen korrigieren, bei denen eine reine Fadenmethode nicht ausreicht. Das Ergebnis ist bei den meisten Patienten langanhaltend. Der Preis dafür sind ein etwas längerer Eingriff, ein Kopfverband für etwa zehn Tage und eine längere Erholungsphase.
Die Fadenmethode ist bei geeigneter Ohrform häufig schneller und mit kleineren Hautzugängen verbunden. Sie kann jedoch nicht jede Ursache abstehender Ohren ausreichend behandeln. Je nach verwendeter Technik können auch Rückfälle oder spätere Nachkorrekturen häufiger erforderlich sein.
Wie läuft die klassische Ohrenkorrektur im Vergleich ab?
Die klassische Ohranlegeplastik führe ich in der Regel ambulant in örtlicher Betäubung durch, bei Kindern und auf Wunsch beziehungsweise bei entsprechender Indikation auch in Vollnarkose. Der Eingriff dauert für beide Ohren etwa ein bis zwei Stunden.
Nach dem Schnitt hinter der Ohrmuschel lege ich den Knorpel frei, schwäche ihn bei Bedarf an der Stelle der künftigen Anthelixfalte mit feinen Ritzungen oder einer Feile und forme die Falte mit mehreren Nähten. Bei einer zu großen oder weit abstehenden Ohrmuschelvertiefung entferne ich gegebenenfalls einen schmalen Knorpelstreifen oder fixiere die Concha näher am Kopf. Zum Schluss verschließe ich die Haut und lege einen weichen Kopfverband an.
In den ersten Tagen entstehen Schwellungen und ein Spannungsgefühl, die mit schmerzlindernden Medikamenten meist gut beherrschbar sind. Nach ein bis zwei Tagen wechsle ich den Verband, nach etwa zehn Tagen nehme ich ihn ab und entferne gegebenenfalls die nicht selbstauflösenden Fäden. Danach trägt man für einige Wochen vor allem nachts ein Stirnband.
Sport ist je nach Belastung nach etwa vier bis sechs Wochen wieder möglich. Bei Kontaktsportarten kann eine längere Pause sinnvoll sein. Das Ergebnis lässt sich nach etwa drei bis sechs Monaten gut beurteilen, wenn die Restschwellung abgeklungen ist. Die Narbe hinter dem Ohr ist später meist wenig auffällig.
Bei bestimmten Fadenmethoden sind weder ein längerer Kopfverband noch ein klassisches Fädenziehen notwendig, und die Ausfallzeit kann bei wenigen Tagen liegen.
Vereinfacht gesagt: Die klassische Operation ist das vielseitigere Verfahren für unterschiedliche Ohrformen, die Fadenmethode eine weniger aufwendige Möglichkeit für ausgewählte Fälle. Welche Technik ich Ihnen empfehle, entscheide ich nach der Untersuchung Ihres Knorpels und nicht allein nach dem Wunsch nach einem möglichst kleinen Eingriff.
Sollte die Fadenmethode kein ausreichendes oder dauerhaftes Ergebnis bringen, ist eine spätere klassische Korrektur in vielen Fällen möglich.
Kommt die Fadenmethode auch für Kinder infrage?
Bei Kindern ist der Knorpel häufig noch vergleichsweise weich, und eine Fadenmethode kann bei geeigneter Ohrform grundsätzlich infrage kommen. Allerdings hängt der Erfolg auch hier von der genauen Technik und der Form der Ohrmuschel ab. Das mögliche Rückfallrisiko muss besonders sorgfältig berücksichtigt werden.
Für Kinder kann deshalb die klassische Operation häufig der sinnvollere Weg sein, insbesondere wenn mehrere Ursachen für das Abstehen vorliegen oder eine umfassendere Formkorrektur notwendig ist. Ob und in welcher Höhe die Krankenkasse die Kosten übernimmt, hängt von der medizinischen Indikation und den Voraussetzungen des jeweiligen Versicherungsträgers ab, nicht allein von der gewählten Technik.
Alles zu Alter, Ablauf und Kostenübernahme bei Kindern lesen Sie auf der Seite Ohren anlegen bei Kindern.
Was kostet das Ohren anlegen ohne OP?
Die Kosten einer Fadenmethode können aufgrund des geringeren Operationsaufwands unter denen einer klassischen Ohranlegeplastik liegen, müssen es aber nicht. Die klassische Ohrenkorrektur beginnt in meiner Ordination ab 3.200 Euro.
Da sich die Kosten nach der Technik, der Anzahl der Fäden und dem tatsächlichen Aufwand richten, nenne ich Ihnen für die Fadenmethode keinen Pauschalpreis. Im Beratungsgespräch erhalten Sie einen individuellen Kostenplan. Bedenken Sie dabei, dass eine eventuell notwendige zweite Korrektur nach einem Rückfall die Gesamtkosten erhöhen kann.
Bei Erwachsenen übernimmt die Krankenkasse eine rein ästhetisch begründete Ohrenkorrektur in der Regel nicht, unabhängig von der Methode. Ob im Einzelfall eine medizinische Indikation vorliegt, muss gesondert geprüft werden.
Einen Überblick finden Sie unter Preise.
Wenn Sie wissen möchten, ob sich Ihre Ohren mit der Fadenmethode anlegen lassen oder ob die klassische Operation die bessere Wahl ist, lade ich Sie herzlich zu einem Beratungsgespräch in meine Ordination in Wien ein. Ich untersuche Ihren Ohrknorpel und sage Ihnen ehrlich, welches Verfahren für Ihre Ausgangssituation geeignet ist und mit welchen langfristigen Ergebnissen Sie rechnen können.